Was bedeutet ein “ideales” Leben?

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Ein Idealist ist eine Person, die selbstlos und dabei auch die Wirklichkeit etwas außer Acht lassend, nach der Verwirklichung bestimmter Ideale strebt.

Der Idealismus ist der Glaube an Ideale, das Streben nach Verwirklichung dieser Ideale und die Neigung, die Wirklichkeit nicht zu sehen, wie sie ist, sondern wie sie sein sollte. (Oxford Languages)

Wir leben in einer Welt der Selbstoptimierung. Für jedes Thema gibt es einen Ratgeber, sei es Schlaf, Ernährung, Sport, Beziehungen oder die Work-Life- Balance. Man könnte meinen, wir alle Streben nach einem idealen Leben, dem besten Leben das es gibt. Und wir könnten das fast mit Idealismus verwechseln. Fast. Denn das war es nicht, was Immanuel Kant in seinem Aufsatz: Was ist Aufklärung? meinte, als er schrieb: “Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”

Er meinte sicherlich nicht, dass wir blind sogenannten Idealen folgen sollten, deren Wert für die Allgemeinheit wir nie hinterfragen, von denen wir uns nur maximalen Wert für uns selbst erhoffen.

Kant machte vor allem Faulheit und Feigheit dafür verantwortlich, dass Menschen unmündig bleiben, sich das Denken lieber von einem Buch, Seelsorger oder Arzt abnehmen lassen. Nun ist sicherlich nichts verwerflich daran, sich von Menschen mit Fachwissen Anregungen und Denkanstöße zu holen und wer das tut, verliert auch nicht die fähig, selbst zu denken, sich ein subjektives Urteil aus verschiedenen Mei­nungen zu fällen. Und doch scheinen wir genau diese Fähigkeit oft freiwillig abzugeben.

Wir glauben den perfekt gefilterten Leben, die wir in den sozialen Mieten sehen, den schlauen Sprüchen und den Ratgeberbüchern, die wie Unkraut die Bestsellerlisten emporschießen. Wir lieben detai­llierte Pläne, die Schritt für Schritt unser Leben verbessern, oft ohne zu hinterfragen, ob dieser Plan auch der richtige Weg für uns ist. Allzu häufig wollen wir den Instagram-Körper nicht mehr der Gesund­heit wegen sondern der Likes. Wir machen keinen Sport, weil er uns guttut, unseren Gehirnen eine Pause gibt, sondern um uns danach auf die Waage zu stellen. Wir studieren und arbeiten um andere zu beeindrucken. Wir nehmen nicht den Job in dem kleinen Unternehmen, wo wir Platz haben uns zu entfalten, uns wohlfühlen und wo kleinere Karriereschritte warten, wir wollen in die Firma, deren Name alle beeindruckt, opfern gerne unsere Freizeit für Statussymbole, Titel und das Ansehen, das uns entgegenschlägt. Wir richten uns nach Äußerlichkeiten und keinem Idealbild, keinen Werten.

Vielleicht glauben wir an kein Idealbild mehr, in einer Welt, die Idealismus verhöhnt. Wir sehen pausenlos Menschen, Politiker und ganze Industriezweige, die das Maximale für sich herausschlagen wollen und keine Verbindung mehr zu Werten zu haben scheinen. Zu den Werten des Ideal­ismus gehören laut Plato und Hegel: Weisheit, Gerechtig­keit, Besonnenheit, Tapferkeit. Auch Moral und Altruismus finden immer wieder Erwähnung.

Es mag in der heutigen Zeit des Vergleichens, der Selbstoptimierung und des Erreichens schwer sein, nach Werten zu streben, die man weder sehen noch messen kann. Doch nach persönlicher Weiterentwicklung, Gerechtigkeit, Besonnenheit oder dem moralisch Richtigen zu streben gibt uns womöglich etwas von der inneren Ruhe wieder, die wir in unserem Wahn nach Selbstoptimierung verloren haben. Vielleicht stoppt das sogar die rastlose Suche nach dem nächst besseren. Wir sollten uns die richtigen Fragen stellen und die Dinge aus den richtigen Gründen tun.

Auch wenn so ein Ideal unerreichbar scheint, fern von der Realität, die uns umgibt, so kann das Streben danach unsere Realität verändern und verbessern.

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Verena Wilmes

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