Der Sport ein Spielball

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Photo by Braden Collum on Unsplash

Es gibt viele verschiedene Sportarten auf der Welt, auch wenn die Eindimensionalität der Übertragung uns anderes glauben lassen kann in Deutschland. Es gibt schnelle Sportarten, langsame, Mannschaftssport, Einzelsport, brutalen und kontaktlosen Sport. Wer welchen Sport spannend findet, ist unterschiedlich. Was mittlerweile jedoch viele Sportarten eint, sind mächtige Funktionäre im Hinter­grund, denen das Geld wichtiger ist als das Wohl der Athleten. Das populärste Beispiel dafür ist der Fußball.

In diese Branche wurde so viel Geld gepumpt, dass die Scheine mittlerweile die Spieler jagen. Über Korruption in Fußballverbänden, sowie Vereinen und weitere kriminelle Aktivitäten wurden bereits ganze Bücher geschrieben. Es reichen jedoch bereits die jüngsten Ereignisse, um zu sehen, wie gierig diese Branche ist. Zu Beginn der Coronapandemie haben sie sich geweigert, den Spielbetrieb einzustellen nur um kurz darauf mit vereintem Lobbyismus eine Weiterführung der Saisonspiele zu erreichen. Kein einziges Spiel in keinem Wettbewerb wurde abgesagt. Daraus resultieren Überbelastung und nicht existente Erholungsphasen für die Spieler. Die Schuld wird einem Virus gegeben, doch scheinen das eher Geldgier und Maßlosigkeit einer Branche zu sein, für die es schon lange keine Grenzen mehr gibt. Einige Ligen in Deutschland wie die Handball- oder die Eishockeyliga haben ihren Ligabetrieb abge­brochen oder zeitweise eingestellt. Andere, wie die Basketballbundesliga haben ihre Spielkonzepte angepasst.

Im Fußball alles unmöglich? Der Fußball ist zu traditionsgebunden? Dennoch war es möglich eine WM nach Qatar zu geben. Mal ganz abgesehen von unmenschlichen Arbeitsbedingungen beim Bau von Stadien, sowie generellen Menschenrechtsverletzungen in diesem Staat. Eine WM, die im Dezember stattfinden soll, während sämtliche europäische Topligen mitten in ihrer Saison stehen, erscheint mehr als sinnfrei. Aber über die Geldflüsse aus Qatar in den Fußball wurde bereits erschöpfend berichtet. Die Fußballbranche hat ihre Prioritäten klar definiert.

Es ist jedoch nicht nur der Fußball, der Gastspiele in Qatar abhält. Im September 2019 fand die Leichtathletik WM bei unerträglich heißen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit statt. Auch hier wurde die sonst im August ausgetragene WM verschoben, auch hier ist es ein offenes Geheimnis, das mehr Geld als gesunder Menschenverstand anwesend war. Die Wettkämpfe im Stadion wurden dank Vollklimatisierung bei 25°C vor leeren Rängen ausgetragen, weil Kamelrennen zu den beliebteren Sportarten in Qatar gehört. Die Marathonläufe mussten um Mitternacht ausgetragen werden und auch hier herrschten noch über 30°C und über 70% Luftfeuchtigkeit. Mal ganz davon abgesehen, dass einige hochkarätige Laufer über­haupt nicht antraten, insgesamt 48 Läufer konnten ihr Rennen nicht beenden, sind kollabiert und wurden mit Rollstühlen von der Strecke gebracht. Auch hier sind die Athleten nichts weiter als Spielballe des Geldes, haben keine andere Wahl, wenn sie Erfolge in ihrem Sport feiern wollen, als diesen Schwachsinn mitzumachen.

Es gibt allerdings noch eine weitere sportliche Großveranstaltung, die die rücksichtslose Geldgier ihrer Hintermänner entblößt hat. Die olympischen Sommer­spiele 2020 in Tokyo wurden nach langem Zirkus und Drohungen von Sportlern und Verbänden wegen der Corona-Pandemie nicht an den Start zu gehen, verschoben. Bis zu dem Zeitpunkt der Ent­scheidung Ende März sah es aus, als wäre Japan von der Pandemie kaum betroffen. Nach der Entscheidung, die Spiele zu verschieben, verdreifachte sich die Zahl bestätigter Infektionsfalle innerhalb kurzer Zeit. Der Vorwurf einiger Regierungskritiker in Japan lautete damals, dass unbedingt an Tokyo 2020 festgehalten werden sollte und dementsprechend zu spät gesund­heitspolitische Entscheidungen getroffen wurden. Auch das internationale olympische Komitee (IOC) erweckte nicht den Eindruck, als wolle es sich von dem Virus die Show versauen lassen.

Die Spiele sollen im Sommer 2021 nachgeholt werden, natürlich mit Zuschauern, sofern ein Weg dafür findbar ist. Und wo Geld ist, ist ein Weg. Die Geldgier der Funktionäre und Hintermänner des Sports lässt sich nicht mehr von moralischen oder ethischen noch gesundheitlichen Grenzen bremsen. Das wirkliche perverse daran ist jedoch, mit welch offensichtlich erlogenen Argumenten diese Verantwortlichen ihre Handlungen rechtfertigen. Noch perverser ist wohl nur die Tatsache, dass wir diese Veranstaltungen sehen, wie Marionetten, bei denen die richtigen Fäden gezogen werden. Vielleicht sollten wir alle weniger Sport gucken und mehr Sport machen.

Auf lange Sicht ist das wohl nur vorteilhaft für alle.

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